30 Jahre Herzschrittmacher am Wald-Klinikum

(Gera, SRH Wald-Klinikum, 12.04.2010) Im Herbst 1958 erlitt der Schwede Arne Larsson eine schwere Virusinfektion des Herzens. Sein Herz schlug nicht wie normal 70mal, sondern nur noch 30mal pro Minute. Es setze aus. An manchen Tagen musste er stündlich wiederbelebt werden. Der Tod war ihm gewiss, doch der Arzt Ake Senning und der Ingenieur Rune Elmqvist vom Karolinska Hospital in Stockholm konnten ihn retten. Am 8. Oktober bekam Arne Larsson mit 43 Jahren als erster Mensch einen Herzschrittmacher eingesetzt. Er starb 2001 mit 86 Jahren, bekam letztlich 27 Schrittmacher in Folge. Er überlebte seinen Arzt Dr. Senning.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Patienten in der DDR endlich in den Genuß des Lebensretters kommen konnten. Für die Geraer war es vor 30 Jahren im Februar 1980 dann endlich so weit. Am damaligen Bezirkskrankenhaus wurde der erste Schrittmacher eingesetzt. Es war eines der ersten Krankenhäuser in der DDR, die in der Lage waren, solche Behandlungen durchzuführen. Mehrere Stunden brauchte ein Expertenteam, um den plumpen, schweren, handtellergroßen Schrittmacher aus Dresdner Produktion in die Bauchhaut einzusetzen und Kabel bis zum Herzen zu ziehen. Die Geräte waren knapp, hatten schwache Batterien und nur wenige Patienten kamen in deren Genuss. Wie viele Geräte es für das Krankenhaus gab, wurde hinter verschlossenen Türen entschieden. "Heute ist das unvorstellbar" meint Chefarzt Dr. Winterhalter, "Jeder Patient, der es braucht, bekommt bei mir ein modernes Gerät. Wenn es normal läuft, dauert der Eingriff insgesamt eine halbe Stunde". Der Patient ist dabei schmerzfrei und kann sich mit dem Arzt unterhalten. Die Geräte sind winzig, halten dann bis zu 12 Jahre und können berührungsfrei von außen eingestellt. "Moderne Herzschrittmacher sind kleine kluge Lebensretter. Sie haben elektronische Gehirne. Sie denken mit, merken sich was sie tun und passen den Herzschlag jeder Anstrengung perfekt an" kommt der Herzrhythmusspezialist Dr. Winterhalter ein wenig ins Schwärmen. 2007 kam er von Deutschlands führendem Herzzentrum aus Berlin nach Gera und bietet mit seinem Team moderne Herz-Medizin, die es mit jeder Universität aufnehmen kann - so der engagierte Chefarzt. Er implantiert mit seinem Team 400 Schrittmacher im Jahr.

