Adipositas-Präventionssymposium
(Gera, SRH Wald-Klinikum, 28.04.2010) Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) nehmen bereits im Kindes- und Ju-gendalter erschreckende Ausmaße an. So sind in Gera bereits 18 % der 14-Jährigen übergewichtig.
Davon werden 80 % das Übergewicht mit in das Erwachsenenalter nehmen, verbunden mit den bekannten Risiken wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und anderen Stoffwechselstörungen. Auch orthopädische Probleme, wie Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen, vorzeitige Gelenkabnutzung und ernsthafte gesundheitliche Schädigungen sind vorprogrammiert. Einige dieser Kinder sind bereits im Jugendalter von Folgeerkrankungen betroffen. Auch leiden diese Kinder unter psychischen Problemen, sie werden ausgegrenzt und grenzen sich selbst aus.
Deshalb bestellt Professor Seidel, Chefarzt der Kinderklinik des SRH Wald-Klinikums die Akteure des Geraer Adipositas-Präventionsnetzwerkes GAP zu einem Symposium ein. Hier wird die aktuelle Situation analysiert, erste Ergebnisse laufen-der Projekte vorgestellt und die weitere Zusammenarbeit besprochen. Professor Seidel sagt, die Vorbeugung muss bereits in den KiTa´s und Grundschulen begin-nen. Deshalb sind uns der Ausbau und die Koordination von neuen Projekten in den Kindergärten und Grundschulen sehr wichtig. So sind natürlich Erzieherinnen und Lehrer auf dem Symposium dabei. Das aktuelle Projekt der Geraer Bergschule, das spielerischen Ernährungsunterricht und die „Bewegte Pause“ beinhaltet und auch die Eltern aktiv mit einbezieht, wird gute Impulse auch für andere Projekte geben. So sind ähnliche Projekte, die an der Waldschule in Gera und in der KiTa Großsaara in Vorbereitung. Leider ist aus dem großen Topf der Bundesregierung aus dem Projekt „In Form“ noch kein Geld bei uns hier in Gera angekommen, „da nehmen wir das ganze eben selbst in die Hand“, sagt Professor Seidel. „Gemein-sam mit der Stadtverwaltung Gera mussten wir neue Wege gehen. Die Durchfüh-rung dieser Projekte bei uns gelingt insbesondere durch die Förderung und Unter-stützung der regionalen Krankenkassen. Hierbei besteht insbesondere mit der TK, der AOK Plus und der BARMER eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber auch andere Krankenkassen haben ihre Unterstützung angesagt.“
Auf die Frage: „Was geschieht aber mit den Kindern, die bereits Übergewicht haben?“, antwortet Professor Seidel: „Hier haben wir eine sehr gute Zusammenar-beit mit den niedergelassenen Kinderärzten in Gera und Umland aufgebaut. Über ein gemeinsame Datenbank, das CrescNet, das am Uniklinikum Leipzig zentral verwaltet wird, werden wir frühzeitig auf starke Gewichtszunahmen unserer Kin-der aufmerksam. Übrigens erhielten wir zum Ausbau dieses Früherkennungssys-tems eine Förderung über 10.000 € von der SRH Förderstiftung aus Heidelberg. Zur Behandlung übergewichtiger Kinder- und Jugendlicher können wir seit Sep-tember 2009 ein ambulantes Adipositas-Schulungsprogramms in Gera und Alten-burg anbieten, das über 12 Monate läuft und neben gesunder Ernährung, Sport und psychischer Stärkung der Kinder auch ein Familienprogramm mit gemeinsa-men Kochkursen enthält. Einen anhaltenden Effekt können wir nur durch die akti-ve Elterneinbindung mit Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnhei-ten der gesamten Familie erzielen. Deswegen ist uns die Elterneinbindung so wich-tig“, sagt Professor Seidel. „Damit sich die Kinder und Jugendlichen auch nach dem Programm weiter viel bewegen, treten sie bereits während des laufenden Programms in einen Sportverein ein. Dieses Programm ergänzt auch das Spektrum des SRH Wald-Klinikums auf diesem Gebiet, da sich bereits für Erwachsene mit ausgeprägter Adipositas die Adipositaschirurgie in Gera überregional etabliert hat.“
Professor Seidel hat abschließend eine große Bitte:„Wir haben hier auf dem Sym-posium sehr viele engagierte Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen vereint, die alle helfen wollen, damit unsere Kinder und Jugendlichen nicht weiter übergewich-tig werden. Innerhalb des GAP- Netzwerkes, das über die Internetseite der Stadt Gera (http://www.gera.de/, Gesundheit/Sport; Netzwerk GAP) aufgerufen werden kann, sind Ansprechpartner und Angebote aufgelistet. Der Flyer des Netzwerkes mit den verschiedenen Ansprechpartnern kann zusätzlich im SRH Wald-Klinikum über die Kinderklinik (Tel. 0365 - 828 5151) angefordert werden. Bitte nutzen Sie unsere Angebote und helfen Sie mit. Auch nehmen wir gern Spenden zur Unterstützung einzelner Projekte an.“

