„Vertrauen keimt und wächst“

(Gera, SRH Wald-Klinikum, 11.06.2010)
Herr Dr. Leder, seit dem 1. März dieses Jahres sind Sie Geschäftsführer des SRH Wald-Klinikums Gera. Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten 100 Tagen aus?
Um es auf einen griffigen Nenner zu bringen: Wir sind auf gutem Wege. Ich habe das Haus ja in einer ziemlich stürmischen Zeit übernommen. Durch den Klinikums-Neubau und die damit verbundene weitere Konzentration auf einen Krankenhausstandort mussten unpopuläre Entscheidungen wie Stellenabbau und Umstrukturierungen getroffen werden. Hinzu kamen die häufigen Wechsel an der Klinikums-Spitze. Das hat viele unserer Beschäftigten verunsichert, der gute Ruf des Krankenhauses nahm dabei Schaden, aber auch Vertrauensdefizite bei den Patienten waren festzustellen. Ein weiters Manko besteht in der Tatsache, dass bis zur Fertigstellung des Neubaus im Frühjahr 2013 de facto drei Krankenhausstandorte gleichzeitig existieren: der untere, der obere und das bereits neu errichtete Bettenhaus „Am Wald“ mit dem Diagnostik- und Operationszentrum. Das bringt bis auf weiteres täglich neu zu lösende logistische, technische und organisatorische Herausforderungen mit sich. Ich denke da nur an die schwierige Orientierung auf dem Gelände. Das alles muss bei laufendem Krankenhausbetrieb Schritt für Schritt gelöst werden.
Und wie ist das gelungen?
Wir sind noch mittendrin in diesem Prozess, doch festzustellen ist: das Vertrauen bei Mitarbeitern und Patienten keimt und wächst. Ich habe den Eindruck, dass sich ein Großteil unserer Beschäftigten durch mich gut vertreten fühlt, sich mitnehmen lässt, auch wenn es mitunter noch etwas an Eigeninitiative mangelt. Das Verhältnis zum Betriebsrat hat sich wesentlich verbessert. Entstanden ist ein regelmäßiger Dialog, dem ich einen hohen Stellenwert beimesse. Und es trägt bereits erste Früchte, dass unsere Beschäftigten unmittelbarer in die Ziele und Vorstellungen unseres Unternehmens eingebunden werden. So habe ich Anfang Juni einen offenen Brief an alle Mitarbeiter geschrieben, indem ich sie u. a. über ihren großen Anteil am besten Geschäftsergebnis in der Geschichte der SRH informiert und ihnen dafür gedankt habe. Übrigens, bleibt all das erwirtschaftete Geld in unserem Haus und dient u. a. der Anschaffung moderner Medizintechnik wie der eines 2. Linearbeschleunigers für die Tumortherapie.
Womit sind Sie denn noch nicht zufrieden?
Ich möchte da nur zwei besonders brisante Punkte herausgreifen. Berechtigt kritisiert wurde von unseren Patienten, die in manchen Fällen noch zu langen Wartezeiten in der Notaufnahme. Diese Einrichtung stellt ja sozusagen das Schaufenster eines jeden Krankenhauses dar. Ich habe dieses Problem daher zur Chefsache gemacht. Wir sind jetzt dabei, unnötige Wartezeiten abzubauen, indem wir die Bettenüberbelegung auf den Stationen beseitigen, die ja häufig zu den langen Aufenthalten in der Rettungsstelle führen.
Eine zweite wichtige Aufgabe besteht darin, die Verlässlichkeit und Pünktlichkeit in den OP-Sälen zu erhöhen. Das beginnt bei der genauen Einhaltung des Operationstermins und endet bei der Eigeninitiative und dem Engagement des gesamten Teams. Ich bin daher regelmäßig vor Ort, um mich über das Geschehen in den Sälen zu informieren. Dabei kommt mir zugute, dass ich als langjähriger Facharzt viele medizinische Abläufe genau kenne und werten kann.
Können Sie uns noch einen kleinen Ausblick auf die nächsten Klinikums-Ziele geben?
Gerne. Was unsere Patienten sicher freuen wird: durch die Unterstützung der Geraer Sozialdezernentin, Frau Christiane Neudert, werden wir in den nächsten Wochen ehrenamtliche Patientenlotsen einsetzen können, die das Zurechtfinden auf dem Klinikumsgelände erleichtern. Gut vorangekommen sind wir zudem mit der Detailplanung für die neue Klinik für Psychiatrie, die nach Fertigstellung im historischen Haupthaus untergebracht sein wird. Im selben Gebäude haben vor wenigen Tagen eine erweiterte Dialysepraxis und ein Schlaflabor den Betrieb aufgenommen. Und ich freue mich, dass wir das Profil des Geraer Klinikums durch eine moderne Strahlenklinik, die Etablierung eines Brust- und eines Prostatakarzinomzentrums auch in Richtung Onkologie weiter schärfen werden. Last but not least, laufen derzeit konkrete Absprachen dazu, wie wir unser Konzept des deutschlandweit ersten Kulturkrankenhauses noch enger mit dem der Otto-Dix-Stadt Gera verzahnen können.
Wie erholt sich eigentlich der Krankenhausmanager Uwe Leder von seinem kräftezehrenden Job?
In diesem Sommer haben meine Familie und ich eine 4 +1 Lösung geplant. Meine Frau und meine drei Töchter machen mit dem Freund meiner Ältesten in Graal-Müritz Ostseeurlaub. Ich nehme mir für Ferien erst dann Zeit, wenn unser Unternehmen voll auf Kurs ist.
(Interview: Klaus-Peter Kirsten)

