Ausbildung
Wir bilden aus:
Zum SRH Karriere Portal

Am besten man fängt mit dem Rauchen gar nicht erst an

31.05.2021

Weltkrebstag 31.05.2021 – Interview mit PD Dr. med. Thomas Lesser, Chefarzt der Klinik für Thorax- und Gefäßchirurgie, Angiologie und Leiter des Lungenkrebszentrums am SRH Wald-Klinikum Ger


Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Thomas Lesser

Jedes Jahr am 31. Mai begeht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Weltnichtrauchertag, um über die gesundheitlichen Gefahren von jeglichen Tabakprodukten, insbesondere für Kinder und Jugendliche, aufzuklären und Raucher zum Aufhören zu animieren. Anlässlich des Weltnichtrauchertages sprachen wir mit Chefarzt PD Dr. Thomas Lesser Leiter, Leiter des Lungenkrebszentrums am SRH Wald-Klinikum Gera, über ein gesünderes Leben ohne Rauch.

Welche Gefahren setzen sich denn Raucher*Innen aus?

PD Dr. Lesser: Mit jedem Zug an einer Zigarette nimmt der Körper eine Vielzahl giftiger Stoffe auf, die über die Lunge im gesamten Körper verteilt werden und damit so gut wie jedes menschliche Organ nachhaltig schädigen. Tabakkonsum erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern ist seit den 1950er Jahren als alles überragende Ursache für Lungenkrebs beschrieben. Allein 25 bis 30 Prozent aller Krebstodesfälle sind allein auf das Rauchen zurückzuführen. Möchte man sein eigenes Risiko, an Krebs zu erkranken, reduzieren, sollte man gar nicht erst mit dem Rauchen beginnen.

Ist Lungenkrebs gut therapierbar?

Lungenkrebs ist ein diagnostisches und therapeutisches Problem. Die Überlebensraten sind schlecht, da die Erkrankung bei 75% der Patienten erst in Spätstadien erkannt wird. Das kostet wertvolle Lebensjahre und zieht eine wenig erfolgsversprechende Therapie nach sich. Früh erkannt können Lungenkarzinome nämlich operativ entfernt werden mit Konsequenz einer Heilungsrate von 85% allein durch die häufig minimal invasive Operation. Letztlich laufen wir aber beim Lungenkrebs den Dingen etwas hinterher: es gibt keine Früherkennungsuntersuchungen und keine Frühsymptome. Wir sehen in der Klinik die Patienten oft zu spät, d.h. die Lungentumoren sind oft nicht mehr operabel oder der Tumor hat sich bereits auf andere Organe ausgeweitet. Im Jahr 2020 wurde 200 Mal die Erstdiagnose Lungenkrebs am SRH Wald-Klinikum Gera diagnostiziert und nur 76 dieser Patienten konnten operativ<s> </s>behandelt werden. Helfen würde ein Lungenkrebs-Screening bspw. für eine definierte Risikogruppe, so wie es bereits in der USA und in anderen Ländern durchgeführt wird. Deutschland hinkt da hinterher, daher liegt das Hauptaugenmerk auf der primären Prävention. Der beste Schutz ist: Aufhören.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Raucherentwöhnung?

Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, stehen verschiedene unterschiedliche Tabakentwöhnungsprogramme zur Verfügung. Unser Lungenkrebszentrum Gera kooperiert seit Anfang 2019 mit der Suchtberatungsstelle Gera der Diako Thüringen für die Durchführung der Rauchfrei-Programme. Primäres Ziel im Klinikum ist es, regelmäßige Einführungs- und Informationsveranstaltungen für Patienten und Interessierte anzubieten und bei ausreichender Motivation diese in die regelmäßig stattfindenden Rauchfrei-Kurse der Suchtberatungsstelle zu vermitteln. Während der Corona-Pandemie und den fehlenden Möglichkeiten der Umsetzung der Informationsveranstaltungen wurde in unserem Klinikum trotz dessen versucht, den Patienten im Einzelgespräch die positiven Aspekte des Nichtrauchens zu erläutern und konkrete Fragen der Patienten zu beantwortet. Die Rauchfrei-Kurse werden im Übrigen von der Krankenkasse unterstützt.

Besteht für Raucher ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19?

Ja, mit der Covid-19-Pandemie erhalten die gesundheitsschädlichen Aspekte des Rauchens neue Aufmerksamkeit. Raucher und Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Nach einer aktuellen Studie müssen langjährige Raucher mit Covid-19 häufiger im Krankenhaus und auf Intensivstationen behandelt werden und haben dadurch auch ein größeres Risiko daran zu versterben.

Was zeichnet ein Lungenkrebszentrum aus?

Wir behandeln Lungenkrebs von der Diagnose über die individuelle Therapie bis hin zur Nachsorge in Partnerschaft mit den betroffenen Patienten und ihren Angehörigen. Dafür haben wir am SRH Wald-Klinikum Gera alle erforderlichen Kompetenzen unter einem Dach gebündelt. Für jeden Patienten wird im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz ein individueller, leitliniengerechter Behandlungsplan erstellt. Mit dem Studienzentrum des Wald-Klinikums Gera wird unsere Patienten auch der Zugang zu neuen Therapien ermöglicht. Zu unserem Behandlungsangebot gehören aber auch die zentrale Einbindung von Psychoonkologen, Physiotherapeuten, Sozial- und Pflegedienst sowie die bereits genannte Raucherentwöhnung. Darüber hinaus sind wir mit den Praxen und Krankenhäusern der Region gut vernetzt. So können wir allen Patienten eine optimale und zeitnah Diagnostik und Therapie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft ermöglichen. Unser Lungenkrebszentrum wurde im Jahr 2012 gegründet und die Umsetzung der medizinischen Leitlinien sowie die Behandlungsqualität wird einmal jährlich durch die Deutsche Krebsgesellschaft überprüft.