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Damit das Herz in den Takt zurückkehrt

27.01.2021

Mit 3-D-Darstellungen des Herzens spüren Kardiologen am SRH Wald-Klinikum die Auslöser von Herzrhythmus-Störungen auf. Die Fehlstellen werden mit Hitze oder Kälte verödet.


Mit 3-D-Mapping öffnet sich im Katheterlabor eine Landkarte des Herzens.

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, zu schnell oder unregelmäßig schlägt, nehmen das Betroffene sehr unterschiedlich wahr. Für die einen können Herzrhythmusstörungen harmlos und symptomfrei sein, in anderen Fällen führen sie zu Luftnot, Unruhegefühl und eingeschränkter Lebensqualität. Besondere Formen wie das Kammerflimmern können sogar lebensbedrohlich sein.

Ausgangspunkt einer Herzrhythmusstörung sind Störstellen im elektrischen Leitungssystem des Herzens. Irgendwo in den Milliarden Zellen des Herzmuskels werden Impulse nicht oder falsch weitergegeben. Schon kleinste Defekte können komplexe Rhythmusstörungen auslösen, die behandelt werden müssen.

Wenn Medikamente allein nicht ausreichen, greifen Kardiologen in vielen Fällen zum schonenden Verfahren der Katheterablation. Dr. Sandra Purle, Spezialistin für Invasive Elektrophysiologie am SRH Wald-Klinikum Gera, erklärt die Wirkungsweise: „Bei einer Katheterablation veröden wir krankhafte elektrische Erregungsherde im Herzmuskelgewebe. Haben wir die zusätzlichen Leitungsbahnen oder Erregungszentren elektrisch stillgelegt, kann das Herz in seinen natürlichen Takt zurückfinden.“ Während bei der Radiofrequenzablation eine thermische Schädigung des Gewebes durch Hitze induziert wird,  kommt bei der Kryoablation Kälte mit Temperaturen bis zu -60 Grad Celsius zum Einsatz. Beide Verfahren werden in Gera angewendet. Die Behandlung wird, wie ein Herzkatheter auch, in örtlicher Betäubung durchgeführt; der Patient ist in der Regel nach wenigen Tagen wieder arbeitsfähig.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Katheterablation ist, die genaue Lokalisierung der Rhythmusstörung. Bislang war das eine langwierige Suche. Inzwischen stehen Kardiologen zur exakten Analyse 3D-Mapping-Systeme und hochauflösende Bildschirme zur Verfügung, die elektronische Landkarten des Herzens erstellen. Dabei liefert ein extra Mapping-Katheter mit bis zu 64 Elektroden nicht nur die Daten für ein dreidimensionales Bild aus dem Herzinneren, er zeichnet auch die Ausbreitung der elektrischen Impulse auf und führt zum Ursprung der Rhythmusstörung. „So können wir die Ablation sehr zielgenau setzen und erreichen in den meisten Fällen eine dauerhafte Besserung“, beschreibt die Oberärztin.

Die Katheterablation ist inzwischen Standard bei der Behandlung der häufigsten Rhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, von dem Patienten mit zunehmendem Alter betroffen sind. Aber auch junge Menschen können unter Herzrasen leiden, in der Regel ist hier eine angeborene Fehlentwicklung die Ursache - zwischen Vorhöfen und Kammern hat sich eine zusätzliche Leitungsbahn ausgebildet (Wolff- Parkinson- White- Syndrom). Auch bei anderen häufigen Herzrhythmusstörungen setzen Kardiologen auf die Ablation. In Gera werden derzeit etwa 150 solcher Eingriffe im Jahr durchgeführt. Die Zahl ist steigend.

Für die Zusatzqualifizierung Spezielle Rhythmologie/Invasive Elektrophysiologie hat Dr. Sandra Purle an der Spezialklinik Bad Berka hospitiert und war dort selbst an mehr als 200 Ablationen beteiligt. Das Ziel der Klinik für Kardiologie ist es nun, selbst ein Ausbildungszentrum für diese Methode zu werden.