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Eine Extra-Schicht für Familien

05.09.2019

Ein Krankenhaus funktioniert nur im 3-Schicht-System – Im SRH Wald-Klinikum Gera gibt es für junge Mütter und Väter jetzt eine Ausnahme


Sandra Blöck (l.) und Beatrice Fiergolla arbeiten als Krankenschwestern im „Family Pool“ in unserem SRH Wald-Klinikum Gera.

Zehn Jahre hatte Beatrice Fiergolla im Krankenhaus gearbeitet – und das gern. Sie hat hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, ihre Ausbildung, ihre onkologische Fachausbildung und sie hat sich wohl gefühlt in ihrem Team. Doch als zweifache Mutter war das 3-Schicht-System für die Familie nicht mehr machbar. Am Ende sah sie keine andere Möglichkeit, als das Haus schweren Herzens zu verlassen.
Es waren Fälle wie diese, die das SRH Wald-Klinikum dazu bewegten, neue Wege zu gehen. „Wenn wir Mitarbeiter oder Interessierte nach der Elternzeit wegen des Schichtsystems verlieren oder gar nicht erst einstellen können, dann ist das mehr als bedauerlich, da einem tolle Fachkräfte entgehen“, sagt Verwaltungs- und Pflegdienstleiterin Sigrid Pommer. Deswegen entschloss sich die Klinikleitung zu einem Projekt, das nur auf den ersten Blick nicht zu einem 24-Stunden-Betrieb passt. Der Family Pool bietet jungen Eltern die Möglichkeit, über eine festgelegte Zeit nur in der Frühschicht oder einer beliebigen Schichtkonstellation zu arbeiten. Um die Neuen sinnvoll eintakten zu können, müssen sie im Gegenzug flexibel sein. Sie entscheiden sich für drei Fachbereiche, denen sie monatsweise zugeordnet werden.
Gestartet ist der Family-Pool am 1. August. Beatrice Fiergolla war eine der ersten, die das Angebot annahm und so zurückkam: „Ich kann morgens Lina und Lotte in den Kindergarten bringen, am Nachmittag bin ich wieder für sie da. Das ist ideal.“ Ihr altes Team hat sich gefreut. Schade, dass es das bei uns nicht gab, haben einige Kolleginnen gesagt. Schwester Beatrice ist für drei onkologische Stationen vorgesehen. Das Modell ist ein Gewinn für beide Seiten, sagt sie, für das Klinikum und für die Familie. Die jungen Eltern können ihren Job beibehalten und haben trotzdem Zeit für die Kleinen. Das Unternehmen kann die Mitarbeiter an sich binden, die später wieder in das 3-Schicht-System zurückkehren sollen.
Sandra Blöck kam neu ans Haus. Die examinierte Krankenschwester war, um den Schichtbetrieb zu umgehen und sich um die zwei kleinen Kinder kümmern zu können, in eine Arztpraxis gewechselt. „Aber das war nicht mein Beruf, ich fühlte mich fehl am Platz, deswegen war ich nicht Krankenschwester geworden.“ Die Mutter wurde immer unzufriedener, da kam der Tipp einer Freundin wie gerufen. Sie bewarb sich für den Family Pool und ist seither in der Notaufnahme tätig. „Jetzt lachst Du endlich wieder, hat mein Mann gesagt“, erzählt sie. Auch wenn sie das Modell gegenüber den Kollegen ab und zu verteidigen muss. „Nicht jeder versteht, dass es das Angebot jetzt gibt.“ Bei Bemerkungen wie: „Wir mussten uns früher auch einen Kopf machen, wie wir unsere Kinder versorgen“  versucht sie, kein schlechtes Gewissen zu bekommen.
Für Sigrid Pommer sind solche Diskussionen eher ein Zeichen dafür, dass der Family Pool schon lange gefehlt hat. Dass er sich gut etablieren wird, ist für die Klinikleitung nur eine Frage der Zeit. Noch gibt es Plätze für junge Mütter und Väter. Die Mitarbeiter werden unbefristet eingestellt, gehören aber vorerst für zwei Jahre zum Projekt „Family Pool“, dessen Option heißt Verlängerung.