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Infektiologie: Wissen, das anstecken soll

10.02.2021

Dr. Schmidt aus dem SRH Wald-Klinikum Gera ist der erste Anästhesist in Thüringen, der die Zusatzausbildung zum Infektiologen abschließt


Dr. med. Christian Schmidt

Als Dr. Christian Schmidt vor zwei Jahren seine Weiterbildung zum Infektiologen begann, da gab es noch kein Virus namens SARS CoV 2. Doch ausgerechnet der Ausbruch der Corona-Pandemie zeigt, wie hochaktuell und notwendig die Auseinandersetzung mit Infektionskrankheiten ist. Was vor Jahren noch als besiegbar galt, hat gerade eine globalisierte Welt in Schrecken versetzt. Vielen gelten Infektionskrankheiten heute als das große Thema der Medizin des 21. Jahrhunderts.

In der Praxis jedoch ist das Wissen vieler Kliniker begrenzt, weiß Dr. Christian Schmidt. Ihm ging es nicht anders. Von Hause ist er Anästhesist und arbeitete auf der Intensivstation. Der Schutz vor multiresistenten Keimen spielt dort eine besondere Rolle. Deswegen absolvierte Dr. Schmidt vor drei Jahren die Ausbildung zum Krankenhaushygieniker. Und dabei blieb es nicht. Die Tätigkeit schärfte seinen Blick und weckte sein Interesse, tiefer in die Materie einzudringen. Als 2018 die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern geändert wurde und die Infektiologie, bislang ausschließlich mit Innerer Medizin, Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendmedizin verknüpft, für alle Fächer zugängig wurde, bewarb er sich umgehend. „Die Welt der Bakterien, Viren, Parasiten ist vielfältig und spannend“, sagt Christian Schmidt. Die Zusatzqualifikation zum Infektiologen hat er nun frisch in der Tasche - als erster „fachfremder“ Arzt in Thüringen.

Entscheidenden Anteil daran hat Prof. Dr. Mathias PletzDirektor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena. Er zeichnet in Thüringen nicht nur für die Weiterbildung auf dem Gebiet verantwortlich, er fordert auch, der Infektiologie einen breiteren Raum im Klinikalltag einzuräumen. Infektionen sind ein weites Feld, reichen von der Grippe und Durchfall über Blutstrominfektionen, Sepsis und  Lungenentzündung bis zu Tuberkulose, HIV und seltenen Tropenkrankheiten. Hinzu kommt eine wachsende Bedrohung durch multiresistente Keime, die vor allem für ältere und immungeschwächte Patienten gefährlich sind. Aber viele kleine und mittlere Krankenhäuser planten keine Stellen für Infektiologen ein, bemängeln die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. „Unser Ziel muss sein, dass es in allen Krankenhäusern Fachleute zumindest für die häufigsten Infektionen gibt. Infektionen – außerhalb und im Krankenhaus erworben - betreffen jedes Krankenhaus und alle Fachdisziplinen“, sagt Prof. Pletz.

Christian Schmidt ist am SRH Wald-Klinikum Gera einer von zwei Infektiologen und Mitglied des Corona-KrisenstabesSeine Arbeit zeigt erste Erfolge. Bis zu 80 infektiologische Konsile, bei denen sich Ärzte den Rat des Experten einholen, gibt es inzwischen monatlich. Dass sich dieser Aufwand lohnt, zeigt eine Studie des Uniklinikums Jena, die den Nutzen der Konsile bei Blutstrom-Infektionen prüft. Verursacher sind Bakterien, die durch kleinste Öffnungen in die Blutbahn schwemmen. Auch Gera ist an der Studie beteiligt. „Unsere eigenen Erhebungen zeigten, dass die infektiologische Beratung die Therapie der Patienten optimiert und die Überlebensrate deutlich erhöhen kann“, so Prof. Mathias Pletz.

Ein großes Thema der Infektionsbekämpfung ist die Antibiotikatherapie. Der sachgerechte Einsatz soll verhindern, dass Bakterien resistent und Antibiotika wirkungslos werden. Schmidt gehört zum Team aus Ärzten und Apothekern, die den Einsatz von Antibiotika im Krankenhaus überwachen. Welches Medikament wird für welche Indikation und welchen Erreger eingesetzt, wie lange muss und darf es genommen werden, was ist die optimale Dosierung? „Bei einigen Antibiotika konnten wir den Einsatz bereits deutlich reduzieren“, sagt der Arzt.

Vieles spricht also für den vielseitigen Infektiologen, der künftig auch am SRH Wald-Klinikum weitergebildet werden soll. Die nun breit zugängige Zusatzweiterbildung ist für Fachleute allerdings nur der erste Schritt. Um die Herausforderungen langfristig zu bewältigen soll bundesweit ein eigener Facharzt etabliert werden. „Schade“, sagt der 54-jährige Christian Schmidt, „wenn ich jünger wäre, würde ich das machen.“