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Metallfreie Implantate für die Wirbelsäule

05.09.2019

Von der Kombination aus Carbon und Kunststoff profitieren vor allem Tumorpatienten


Bei Tumorentfernungen an der Wirbelsäule ersetzen immer häufiger Schrauben aus Kohlefaser und Kunststoff herkömmliches Metall. „Normalerweise verwenden wir in der Wirbelsäulenchirurgie metallische Implantate, die jedoch aufgrund ihrer hohen Dichte Störungen bei bildgebenden Untersuchungen wie Röntgen, CT oder MRT verursachen“, erklärt Priv-Doz. Dr. Amir Zolal, Oberarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie. Die innovativen Implantate aus kohlefaserverstärktem Kunststoff haben eine vergleichbare Festigkeit, verursachen aber deutlich weniger Bildstörungen. Ihr Einsatz sei deshalb so sinnvoll, weil viele Tumore zusätzlich bestrahlt werden. Das kohlefaserverstärkte Material ermögliche dank der besseren Bildgebung eine präzisere Bestrahlungsplanung. Zudem werde die Ausbreitung der Strahlung im Tumorgewebe nicht behindert. „Wir haben gute Erfahrungen mit den modernen Implantaten gemacht“, sagt der Oberarzt. Seit vorigem Jahr verwenden Experten der Geraer Klinik die metallfreien Schrauben.

Die Zahl der Tumorerkrankungen nimmt in Deutschland zu. Bereits heute ist Krebs die zweithäufigste Todesursache. Zugleich wurden moderne Therapien entwickelt, die sowohl die Lebensqualität als auch die Überlebenszeit der Patienten deutlich erhöhen können.

Als wesentlicher Bestandteil dieser modernen Therapiekonzepte gewinne die operative Behandlung von krebserkrankten Patienten an Bedeutung, erklärt  Chefarzt Dr. Jörg Silbermann. Ziel sei, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. So auch bei Knochenmetastasen, insbesondere Wirbelsäulenmetastasen eines Tumors, die häufig Schmerzen, seltener auch Lähmungen bis hin zur Querschnittslähmung verursachen. „Die Therapie ist typischerweise eine Kombination aus Operation und Bestrahlung sowie eine Fortsetzung der Chemotherapie“, sagt Silbermann. Mit der Operation sollen der Tumor entfernt, die neuralen Strukturen entlastet und die Wirbelsäule stabilisiert werden. In der Regel können nicht alle Tumorzellen herausgeschnitten werden. Eine darauffolgende Bestrahlung – ganz ohne störende Metallschrauben -  soll verbliebene Tumoranteile vernichten oder in ihrem Wachstum verlangsamen.