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Mit zwei Tropfen Blut Diabetes-Risiko bei Babys erkennen

20.05.2019

Geraer Kinderklinik beteiligt sich an Studie, die den Ausbruch der Stoffwechselerkrankung künftig verhindern will


Schon bei Neugeborenen das Risiko für eine Diabetes-Typ1-Erkrankung zu erkennen, ist das Ziel der Freder1k-Studie*, eines europaweit einmaligen Projektes, das vor anderthalb Jahren flächendeckend in Bayern, Niedersachsen und Sachsen gestartet ist. Seit März beteiligt sich daran auch die Geraer Kinderklinik, als bislang einziges Krankenhaus in Thüringen. Die Klinik arbeitet dabei mit dem Uniklinikum Dresden zusammen. Zu verdanken ist die Kooperation dem Neonatologen und Kinderarzt Marian Eulitz, den persönliche Erfahrungen dazu veranlassten. „Weil die Warnzeichen der Zuckerkrankheit bei kleinen Kindern nur schwer zu erkennen sind, erleben wir es immer wieder, dass die kleinen Patienten in schlechtem Zustand in die Klinik kommen.“ Denn dass Kinder Durst haben, häufiger müde sind oder plötzlich wieder einnässen, lässt Eltern nicht gleich an eine Stoffwechselerkrankung denken. Das Tückische: Die Krankheit, bei der die körpereigene Insulinherstellung zerstört wird, ist ohne Behandlung lebensbedrohlich. Zugleich beobachten Kinderärzte, dass die Zahl der kleinen Zuckerpatienten im Alter von ein bis zwei Jahren spürbar steigt, so Eulitz. Eine Entwicklung, für die es bislang keine Erklärung gibt. So weisen von 1000 Neugeborenen durchschnittlich zehn ein erhöhtes Diabetes-Risiko auf. Bei 95 Prozent tritt die Erkrankung in späteren Jahren tatsächlich auf. Für die Patienten heißt das, lebenslang Insulin zu nehmen; Nieren und Netzhaut können auf lange Zeit geschädigt werden.
 
Für den Früherkennungstest reichen zwei Tropfen Blut aus. Er ist freiwillig und kostenfrei und wird in Gera im Rahmen des regulären Neugeborenen-Screenings angeboten. „Wir erreichen 80 Prozent der Eltern“, berichtet der Kinderarzt. Wird in den Blutproben ein erhöhtes Risiko erkannt, werden im ersten Schritt regelmäßige Kontrolltermine festgelegt. Und noch bevor sich erste Symptome zeigen, werden Familien über die Erkrankung aufgeklärt. „Das ist sinnvoll, weil wir bei frühzeitigem Erkennen mit Medikamenten den Ausbruch verzögern und künftig hoffentlich auch verhindern können.“
Denn in einem zweiten Schritt können sich Eltern an einer weiterführenden Studie, der POInT-Studie, beteiligen. Deren Ziel ist, eine Therapie zu entwickeln, die den Ausbruch des Typ-1-Diabetes verhindert. Durch die tägliche Gabe von Insulinpulver mit der Mahlzeit könnte bei Kindern bis zu einem Alter von drei Jahren das Immunsystem so trainiert werden, dass die Fehlsteuerung gar nicht erst auftritt, die zur Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse führt. Perspektivisch kann die Betreuung der Familien über das Studienzentrum direkt am Geraer Klinikum erfolgen. „Wenn es gelänge die Krankheit zu verzögern oder den Ausbruch zu verhindern, wäre eine tolle Sache“, sagt Eulitz. Schon zwei Tropfen Blut können helfen.

*Freder1k und die Primärpräventionsstudie POInT sind Teil der Globalen Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes (GPPAD), einem internationalen Netzwerk aus Forschung und Medizin, deren Ziel eine Welt ohne Diabetes ist. Die US-amerikanische Stiftung Helmsley Charitable Trust fördert die Initiative als Geldgeber.

Wichtige Links:

www.gppad.org/de/projekt-freder1k/

www.gppad.org/de/point-studie/