MS-Zentrum erneut zertifizert

12.08.2020

Patienten sind auf solch spezialisierte Einrichtungen in ihrer Nähe angewiesen


Die Gabe von Medikamenten wird im zertifizierten MS-Zentrum akribisch überwacht.

In den vergangenen Jahren hat die MS-Forschung eine ganze Reihe neuer Medikamente hervorgebracht, die die Hoffnung der Betroffenen auf ein besseres Leben mit der heimtückischen Krankheit wecken. Umso wichtiger ist, was dem Team um Oberarzt Stefan Uhde nun auch im zwölften Jahr gelang – die erneute Zertifizierung als anerkanntes MS-Zentrum im Osten Thüringens. Denn gerade neue Therapien sind an die Expertise von ausgewiesenen Zentren gebunden; Patienten sind auf spezialisierte Einrichtungen in ihrer Nähe angewiesen. 

Neue Behandlungsstrategien nehmen die für Multiple Sklerose charakteristische Auto-Immunreaktion des Körpers gezielt ins Visier, erklärt der Zentrumsleiter. Antikörper wie Ocrelizumab zum Beispiel greifen B-Zellen an, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung typischer MS-Herde im zentralen Nervensystem spielen. Die Gabe solcher Medikamente verlangt nach einem umfangreichen Vorbereitungslabor und konsequentem Monitoring. Die aufwändige Infusion dauert pro Patient zwischen vier und sechs Stunden. 

Unter strenger Kontrolle steht auch die Verabreichung des Medikaments Tysabri, das gerade bei der Behandlung einer hochaktiven MS bei Teenagern eine Renaissance erlebt. Deswegen wenden es die Geraer Ärzte an. Zugleich aber kann es als Nebenwirkung eine schwere Virusinfektion auslösen, "das erfordert eine konsequente und sichere Überwachung der jungen Patienten".

Zu leisten ist das, so Oberarzt Stefan Uhde, nur mit einem "effizienten, eingespielten Team, in dem alle sehr eigenständig arbeiten". 350 Patienten werden jährlich von dem Zentrum betreut, das den Weg zu neuen Therapien auch über klinische Studien öffnet. Auch wenn man MS nach wie vor nicht zum Stillstand bringen kann, sagt Stefan Uhde, könne man die Krankheit aber inzwischen sehr effektiv behandeln. „Dank der Neuentwicklungen können wir heute viele junge Leute vor dem Rollstuhl bewahren.“