Rheuma – mehr als schmerzende Gelenke

09.04.2019

Dr. Matthias Nitsch, leitender Rheumatologe, über ein vielfältiges Krankheitsbild, den Start am Klinikum und die Frage, wann man mit Rheuma ins Krankenhaus muss


Das Ärzteteam der Rheumatologie: Dr. Sylke Schneider und Dr. Matthias Nitsch.

Dr. Nitsch, Sie haben Mitte Januar eine Rheuma-Ambulanz am Geraer SRH Wald-Klinikum eröffnet. Damit wurde eine Versorgungslücke in der Stadt geschlossen.  Wie haben Sie die ersten Wochen erlebt?

Wie zu erwarten, war die Nachfrage nach Terminen von Anfang an groß, so dass wir eine gewisse Wichtung zur Dringlichkeit und eine Anmeldung nur über die behandelnden Ärzte vornehmen mussten. Wir sind aber bemüht, den Anfragen in einem akzeptablen Zeitrahmen gerecht zu werden. Unsere Terminplanung hat sich gut bewährt, wie kurze Wartezeiten am Behandlungstag zeigen.
Bereits vom ersten Tag an wurden auch rheumatologische Patienten aus dem Klinikum und durch externe Einweisung auf Station behandelt. Ich denke, dass unsere kleine Abteilung sowohl im stationären als auch ambulanten Sektor gut angekommen ist. Ich danke allen für die tolle Unterstützung.
 
Unter Rheuma stellen sich die meisten schmerzende Gelenke vor.  Würden Sie dem widersprechen?

Selbstverständlich stehen schmerzende, geschwollene und bewegungseingeschränkte Gelenke im Vordergrund. Rheuma ist aber mehr und kann durch die zugrundeliegende Autoimmunerkrankung praktisch alle Organsysteme befallen. Dies ist zwar selten, unsere Aufgabe ist es, die zahlreichen rheumatischen Erkrankungen zu erkennen, zu differenzieren und einer mehr oder weniger intensiven Therapie zuzuführen. Häufig sind auch altersbedingte Veränderungen der Gelenke oder der Wirbelsäule ursächlich. Und es gibt auch den ausschließlichen entzündlichen Befall der Wirbelsäule oder der inneren Organe wie Lungen, Nieren und Nervensystem. Sehr häufig sind rheumatische Erkrankungen mit Hauterkrankungen vergesellschaftet, denken Sie an die Schuppenflechte.

Neben der Ambulanz gibt es eine Zehn-Betten-Station im Klinikum. Wann muss ich mit Rheuma ins Krankenhaus?

Stationäre Behandlungen sind notwendig, wenn die Erkrankung sehr aktiv und ambulant zum Beispiel wegen Bewegungseinschränkung nicht durchführbar ist. Schwerpunkt sind aber die seltenen Erkrankungen mit Organbeteiligungen, die nach oft umfangreicher laborchemischer und technischer Diagnostik einer intensiven Therapie bedürfen, die die normale Funktion des Immunsystems unterdrückt und mit Unterbrechungen über Wochen und Monate andauern kann.  Eine stationäre Aufnahme kommt  auch bei völlig unklaren Erkrankungssituationen in Frage.

Mit welchen Klinik-Ärzten arbeiten Sie zusammen?

Praktisch mit allen Fachabteilungen.

Rheuma betrifft vor allem alte Leute – stimmt das eigentlich?

Entzündliche rheumatische Erkrankungen können in jedem Alter auftreten, wenn auch das kindliche Rheuma im Vergleich seltener ist. Frauen sind teilweise häufiger betroffen.

Ist Rheuma heilbar?

Eine wirkliche Heilbarkeit ist eher selten, zum Beispiel wenn die Gelenke nach Infekten mitreagieren. Allgemein streben wir aber einen Stillstand, die sogenannte Remission an, welche aber auch eine dauerhafte Therapie bedeutet.