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Undichte Herzklappe: Schonende Alternative zur großen OP

20.02.2020

Kardiologen am SRH Wald-Klinikum Gera können vor allem älteren Patienten dank des MitraClip-Verfahrens mit einem kleinen Eingriff helfen


Prof. Marc-Alexander Ohlow versorgt Patienten mit dem MitraClip.

Patienten, die unter einer undichten Herzklappe leiden, bietet das SRH Wald-Klinikum Gera jetzt eine schonende Alternative zu einem herzchirurgischen Eingriff an. Der MitraClip, ein kleines Implantat, kann mit einem Katheter gesetzt werden und erspart vor allem Vorerkrankten eine große OP. „Wir haben am Geraer Klinikum die Methode neu eingeführt und die ersten Patienten erfolgreich behandelt“, erklärt Prof. Marc-Alexander Ohlow von der Klinik für Kardiologie.

Eine undichte Mitralklappe gehört zu den zweithäufigsten Herzklappenfehlern in Deutschland. Bei schweren Formen der so genannten Mitralklappeninsuffizienz ist eine kardiologische Behandlung nötig. Ursache für die Undichtigkeit kann ein vorhergegangener Infarkt oder auch eine Herzschwäche sein. Sie können dazu führen, dass sich die Klappe in der linken Herzkammer nicht mehr richtig öffnet und schließt. Dann ist die Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut gestört. 

Die Mitralklappe funktioniert als eine Art Schleuse, die dafür sorgt, dass das Blut aus den Lungen in den Körperkreislauf hinein strömt. Ist sie undicht, fließt ein Teil des Blutes zurück in den Lungenkreislauf. Dies führt zum einen zu einem Stau in der Lunge. Zum anderen fehlt dem Körper der Sauerstoff für die Leistungsfähigkeit. Das Herz versucht den Zustand auszugleichen und pumpt auf Hochtouren. Das droht auf Dauer, den Muskel zu schwächen. „Bei einer schwerwiegenden Mitralklappeninsuffizienz klagen Patienten über Kurzatmigkeit, schnelle Erschöpfung oder Reizhusten. Selbst alltägliche Erledigungen werden beschwerlich“, schildert Prof. Ohlow. Solche deutlichen Einschnitte führen die Betroffenen schließlich zum Kardiologen. 

Noch vor Jahren gab es dann nur zwei Möglichkeiten: Ein großer Eingriff am offenen Herzen, bei dem die Mitralklappe rekonstruiert oder ersetzt wird. Das ist auch weiterhin das Mittel der Wahl. Oder aber, weil nicht jeder Patient eine solche OP verkraftet, die Einnahme von Medikamenten, die die Klappe zwar nicht abdichten, aber die Folgen mildern. 

Für diese Patienten, zumeist ältere Menschen mit einem schlechten Gesundheitszustand, biete der MitraClip nun eine  wenig belastende, aber wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit, sagt Prof. Ohlow. Mit Hilfe des Clips kann sich die Klappe wieder im Rhythmus des Herzschlags öffnen und schließen. Die winzige Klammer wird – unter Vollnarkose und unter Ultraschallüberwachung - über einen Katheter in die linke Herzkammer geschoben und an der Mitralklappe platziert. „Der Eingriff dauert in der Regel nicht mehr als zwei Stunden, der Patient kann nach 3 bis 4 Tagen wieder nach Hause gehen“, so der Kardiologie. Prof. Ohlow hat bereits viel Erfahrung beim Einsetzen der kleinen Mechanik. Vor seinem Wechsel an das SRH Wald-Klinikum hat er in einer Herzklinik etwa 200 Patienten mit dem Implantat versorgt. Der Effekt sei schnell zu spüren, sagt er: „Haben es Patienten vor dem Eingriff mit Mühe bis zum Briefkasten geschafft, gehen sie jetzt auch wieder bis zum nächsten Bäcker.“