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Wir trauern um Walter Groß

21.12.2020

Der langjährige Chefarzt und Ärztliche Direktor starb am 6. Dezember. In seinem Arbeitsleben hat er 6000 Geburten geleitet. Ein Nachruf.


Es gibt Menschen, bei denen hat man das Gefühl, eine Ära endet, wenn sie gehen. Priv.-Doz. Dr. med. Walter Groß, langjähriger Chefarzt und Ärztlicher Direktor am SRH Wald-Klinikum Gera, ist so einer.

1949 in Waltershausen im Thüringer Wald geboren, fängt der gelernte Schmied erst mit 24 Jahren an, Medizin zu studieren. Die Gemeindeschwester ermutigt ihn dazu. So beginnen heute keine Arztkarrieren mehr, und doch ist alles

richtig: Schmieden ist ein ehrenwertes Handwerk, aber Medizin wird seine Berufung. Groß absolviert im Universitätsklinikum Jena seine Facharztausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe, dort wird er zum Oberarzt, zum Privatdozenten und stellvertretenden Direktor ernannt. 1997 wird er als Chefarzt an das Geraer Wald-Klinikum berufen.

6000 Geburten hat Walter Groß in seinem Arbeitsleben geleitet. "Bei schlechter Laune sollte man in die Geburtshilfe gehen. Das ist zu 90 Prozent etwas Positives", sagt er einmal der Presse. Aber er ist auch ein exzellenter Operateur. Seine erste Tumor-OP beendet er nach zwölf Stunden:

"Ich fühlte mich danach völlig aufgeputscht vor Glück!"  Seinen Respekt vor einer Operation, vor einer Geburt erhöht das eher noch. Immer wieder appelliert er an die ärztlichen Kollegen, nie die Demut und die Achtung zu verlieren.

Fehler kann Walter Groß verzeihen, aber nicht Oberflächlichkeit und Bequemlichkeit. Er betont beharrlich das ärztliche Ethos. Und so wird Groß, der aus dem Stegreif die großen Klassiker zitieren kann, auch zu einem Bewahrer humanistischer Werte, ein Vorbild. Ihm sind die Arbeitsfähigkeit der Klinik und die Betreuung der Patientinnen immer wichtiger als das offizielle Ende eines Arbeitstages, der eigene Urlaub oder gar Dienstreisen.

Walter Groß ist fordernder Mentor, aber auch väterlicher Freund.

Kollegialität und gegenseitige Achtung sind ihm wichtig. Seine Klinikmitarbeiter nennen ihn "den Alten" - voller Respekt. Als Chefarzt und als Ärztlicher Direktor wird er zur Instanz, er steuert die Ärzteschaft durch eine Zeit der Veränderungen. "Er war ein Mann klarer Worte, eine Führungspersönlichkeit mit starken Schultern", erinnert sein Stellvertreter Prof. Andreas Müller. Die Etablierung des Brustzentrums Ostthüringen, des Perinatalzentrums und später des Mutter-Kind-Zentrums, die Förderung neuer OP-Methoden in der Tumorchirurgie - das sind Leistungen, die im SRH Wald-Klinikum mit seinem Namen verbunden sind. "Es geht nichts verloren", sagt er einmal. Und das stimmt.

Als sich Walter Groß 2014 in den Ruhestand verabschiedet - später wird er noch einmal kurz zurückkehren, um seine Klinik zu unterstützen - sorgt er sich um die gesellschaftliche Entwicklung: Nur allseitig entwickelte Persönlichkeiten widerständen Manipulationen, könnten Entscheidungen treffen und handeln.  Und er stellt noch einmal die Bedeutung seiner Mitarbeiter heraus, über die er immer seine (beeindruckenden) Hände hielt und die ihm nicht nur das immer ehrend danken werden.