SRH Wald-Klinikum Gera
Waldklinikum Gera

In Gera hält Augmented Reality Einzug in den OP

Mit Datenbrille an der Wirbelsäule: Das sind die Vorteile für Operateure und Patient:innen.

Das rhythmische Piepen der Geräte, die kurzen Absprachen des Teams. Das alles ist wie immer. Bis zu dem Moment, in dem die beiden Operateure ihre Datenbrille aufsetzen. Und plötzlich verändert sich, wie sie den Eingriff sehen.

„Es ist vergleichbar mit dem Tauchen am Korallenriff“, sagt Chefarzt Dr. Jörg Silbermann. „Solange Sie oben bleiben, wirkt alles ganz normal. Aber sobald Sie abtauchen, eröffnet sich eine farbenprächtige Welt – gestochen scharf, wie in 4K.“ In dieser Welt wird zumeist mit Handgesten gesteuert, auch das ein ungewöhnlicher Anblick im OP.

Was „Augmented Reality im OP“ bedeutet

Augmented Reality (AR) heißt: Die reale Welt bleibt sichtbar und wird durch digitale Hinweise ergänzt – im unmittelbaren Sichtfeld des Operateurs. Statt immer wieder zwischen Patient, Instrumenten und Monitoren zu wechseln, kann das Team dreidimensionale Darstellungen direkt in der Brille sehen. 

Wo genau liegt der optimale Eintrittspunkt? In welchem Winkel muss gearbeitet werden? Welche Abweichungen der Anatomie sind zu erwarten? Genau hier setzt die Technik an: dreidimensionale CT-Bilder des Patienten und 2D-Navigationsansichten der Instrumente werden als Überlagerung direkt im Sichtfeld angezeigt. Zusätzlich wird eine „schwebende“ 3D-Ansicht erzeugt. „Durch die Brille sehe ich eine Art Holografie der Wirbelsäule – wie in den Körper hineinprojiziert, obwohl der chirurgisch noch gar nicht eröffnet ist“, schildert Chefarzt Dr. Jörg Silbermann. Das eröffne völlig neue Möglichkeiten: „Ich sehe von Anfang an die Anatomie des Patienten. Man kann die Struktur aus allen Richtungen erfassen – drehen, betrachten, verstehen.“  Die Wirklichkeit des OPs und die eingespielten Bilder würden sich so überlagern, dass sich das Auge daran anpasse und beides zugleich klar sehen könne, beschreibt der Chefarzt.

Und das prägt auch die OP-Strategie: „Ich kann mir schon sehr früh überlegen, wie ich therapeutisch vorgehe“, sagt Silbermann. Denn ohne diese Zusatzinformationen kann der Operateur manche Struktur erst während der OP erkennen.

Warum diese zusätzliche Orientierung so viel wert ist

Wer Wirbelsäule hört, denkt an Knochen. Für Chirurginnen und Chirurgen ist es vor allem ein enges Nebeneinander von Knochen, Nerven, Rückenmark – und dazwischen der Platz, an dem Schrauben oder andere Implantate sitzen müssen. „Dabei müssen wir das Risiko von Schäden an Rückenmark und Nerven unbedingt vermeiden.“

Das SRH Wald-Klinikum Gera arbeitet in der Wirbelsäulenchirurgie seit Jahren mit hochpräziser Bildgebung und Navigation: Ein mobiler CT-Scanner liefert während der Operation 3D-Aufnahmen, verbunden mit einer Computer-Navigation, mit der Instrumente gezielt geführt werden können.  Die AR-Brille ist die Fortsetzung und führt diese gesammelten Informationen den Operateuren im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor Augen. 

So beeindruckend der Effekt ist: Die Ärztinnen und Ärzte in Gera betonen, dass AR kein Ersatz für Erfahrung ist. „Augmented Reality kann nicht operieren. Die chirurgische Expertise bleibt unverzichtbar“, sagt der Chefarzt, „auch wenn sich das eines Tages vielleicht ändern könnte.“

Blick durch eine AR-Brille während einer OP: die Bilddaten aus CT-Aufnahmen des Patienten und der Computer-Navigation sind deutlich über dem eigentlichen Eingriffsfeld zu erkennen.