SRH Wald-Klinikum Gera setzt auf endoskopische Lungenvolumenreduktion – Patient berichtet von spürbarer Entlastung und mehr Selbstständigkeit
„Auch wenn es für Außenstehende übertrieben klingen mag – diese Behandlung hat mein Leben auf ein neues Level gehoben.“ Mit diesen Worten beschreibt Lungenpatient Bernd Geiger, wie sehr sich sein Alltag nach einer speziellen Ventiltherapie an der Klinik für Pneumologie am SRH Wald-Klinikum Gera verändert hat.
Seit über zehn Jahren leidet der 65-Jährige unter einer chronischen Atemwegserkrankung - begleitet von Atemnot, Panikattacken und dem fast vollständigen Rückzug aus dem Alltag. Erst durch die endoskopische Lungenvolumenreduktion, ein minimalinvasives Verfahren, schöpft er wieder Hoffnung und vor allem: er holt wieder viel besser Luft.
„Ob ich denn so weiterleben wolle?“ – ein Wendepunkt
Die Diagnose COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) erhielt Bernd Geiger, der in Franken lebt, bereits 2012. „Ein Rezept, der Hinweis, ich solle mit dem Rauchen aufhören, und die Gewissheit, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden – das war’s dann erst einmal“, erinnert er sich. Sport gab er nach und nach auf, den Zigarettenkonsum hielt er noch lange aufrecht.
Mit den Jahren kamen Verschlechterungen dazu, Reha-Aufenthalte und schließlich die Verrentung wegen voller Erwerbsminderung. „Ich dachte, diese langsame Verschlechterung gehört einfach zu dieser Krankheit. Irgendwie habe ich das als gottgegeben hingenommen“, beschreibt der 65-Jährige seine Situation.
Das ändert sich schlagartig im Frühjahr: Während eines Besuches bei seinem Sohn in Gera kommt es zu einem schweren Anfall von Atemnot mit Panik und Schwindel. Der Notarzt bringt ihn ins SRH Wald-Klinikum Gera. „Ob ich denn so weiterleben wolle?“ – diese Frage von Chefärztin Dr. med. Dagmar Täuscher sei für ihn ein Wendepunkt gewesen.
Wenn Ventile der Lunge wieder Platz verschaffen
„Viele Patienten mit schwerem Lungenemphysem wissen gar nicht, dass es neben Medikamenten, Reha und Sauerstoff unter bestimmten Voraussetzungen noch weitere Möglichkeiten gibt“, erklärt Dr. Dagmar Täuscher, Chefärztin der Klinik für Pneumologie.
Die von ihrem Team angewandte Methode heißt endoskopische Lungenvolumenreduktion. Durch die Lungenerkrankungen werden Lungenbläschen stark geschädigt, im Gewebe staut sich die Atemluft, der Atemfluss ist gestört.
„Wir bringen winzige, einwegige Ventile in bestimmte Atemwege ein. Diese Ventile lassen Luft aus stark überblähten Lungenabschnitten heraus, verhindern aber, dass neue Luft hineinströmt“, so Dr. Täuscher.
Der Effekt: Die überdehnten, kranken Bereiche ziehen sich zusammen. „Die gesünderen Teile der Lunge bekommen wieder mehr Platz und können besser arbeiten. Viele Patienten können dadurch wieder leichter atmen, sich besser bewegen und ihren Alltag aktiver gestalten“, erklärt die Pneumologin.
Die Ventile werden im Rahmen einer Bronchoskopie, meist in Vollnarkose, über den Mund in die Bronchien eingebracht. Ein großer Schnitt am Brustkorb ist nicht notwendig. „Das Verfahren ist deutlich schonender als eine offene Operation. Die Patienten erholen sich in der Regel schneller und das Risiko für Komplikationen ist geringer“, sagt Dr. Täuscher.
„Ich spürte schon während der OP eine Veränderung“
Für den Patienten war die Aussicht auf diese Therapie zunächst überraschend. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie eine Lungenvolumenreduktion gibt. Als Frau Dr. Täuscher mir davon erzählte und anbot zu prüfen, ob das bei mir infrage kommt, war ich natürlich sofort dabei“, berichtet er.
Nach einer vorgeschriebenen Reha und einigen organisatorischen Hürden konnte die Ventilimplantation schließlich durchgeführt werden. „Ich glaube, ich bemerkte schon während der OP eine Verbesserung“, erinnert er sich. Oberarzt Dr. Horst Zwingenberger, der den Eingriff begleitete, habe diese spontane Einschätzung zwar mit einem Lächeln relativiert – „aber selbst mit vorsichtigeren Erwartungen war ich mehr als zufrieden.“
Nach der Operation verlief alles komplikationslos. „Bei den Kontrollen sahen wir keine Auffälligkeiten. Entscheidend ist aber: Der Patient selbst berichtet von einer deutlich verbesserten Belastbarkeit im Alltag“, erläutert Dr. Zwingenberger.
Mehr Treppen, weniger Angst – was sich im Alltag verändert
„Ich bin zu Hause und privat wieder deutlich aktiver“, schildert Bernd Geiger. „Mein mobiles Atemgerät brauche ich fast gar nicht mehr – auch wenn ich es als mentale Krücke noch dabeihabe. Beim Treppensteigen habe ich fast explosionsartige Fortschritte gemacht.“
Bernd Geiger erobert sich Stück für Stück Alltag zurück: Besorgungen, kleine Spaziergänge, stundenweises Arbeiten – all das sei wieder möglich, ohne sofort an die Grenzen der Belastbarkeit zu stoßen. „Natürlich habe ich weiterhin COPD. Aber ich habe das Gefühl, wieder mehr Kontrolle über mein Leben zu haben“, fasst er zusammen.
Nicht jeder eignet sich – sorgfältige Auswahl ist entscheidend
COPD ist eine weit verbreitete Erkrankung: In Deutschland sind rund 13 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Krankheit ist chronisch, die Lunge wird dauerhaft geschädigt. Heilen lässt sich COPD bisher nicht, die meisten Therapien lindern vor allem die Symptome.
„Die Ventiltherapie eignet sich nur für einen Teil der Patientinnen und Patienten“, betont Dr. Täuscher. „Wichtig ist, dass Betroffene nicht mehr rauchen und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten – wie Medikamente, Physio- und Atemtherapie sowie Reha – bereits ausgeschöpft wurden.“
Vor der Entscheidung für eine Ventilimplantation erfolgt eine sehr genaue Untersuchung: hochauflösende CT-Bildgebung, Lungenfunktionstests und spezielle Messungen, die zeigen, ob ein klar abgegrenzter, stark geschädigter Lungenbereich vorhanden ist. „Nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Therapie sinnvoll. Dann können wir aber oft eine deutliche Verbesserung von Atmung, Belastbarkeit und Lebensqualität erreichen“, erklärt Dr. Täuscher.
Patient wünscht sich mehr Bekanntheit
Leider setzt sich die Methode der endoskopischen Lungenvolumenreduktion erst langsam durch. Das hat auch der Patient erfahren, der nur durch den zufälligen Aufenthalt in Gera von dem Verfahren erfuhr.
Chefärztin Dagmar Täuscher wünscht sich vor allem mehr Austausch zugunsten der Patientinnen und Patienten: „Wir wissen aus Studien und unserer Erfahrung, dass die Ventiltherapie bei sorgfältig ausgewählten Patienten ein wichtiges zusätzliches Verfahren sein kann. Uns ist wichtig, transparent über Möglichkeiten, aber auch Grenzen zu sprechen – und gemeinsam mit den Patienten eine informierte Entscheidung zu treffen.“
